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Minderung (Mitigation)

Maßnahmen des Bundes

In Anbetracht der Probleme (Große Zahl zum Teil sehr unterschiedlicher Quellen und Senken, zeitliche und räumliche Abgrenzung, Kontrolle) bei der Ermittlung der gesamten CO2äq(Kohlenstoffdioxid-Äquivalent)-Emissionen einzelner landwirtschaftlicher Betriebe wird es auf absehbare Zeit nicht möglich sein, die einzelnen Betriebe (etwa analog zu energieintensiven Großbetrieben in der Industrie) als Akteure in das EU-Emissionshandelssystem einzubinden.

Die politische Herausforderung besteht deshalb darin, Maßnahmen bzw. eine geeignete Kombination von Maßnahmen zu entwickeln, die administrierbar sind, in der Summe zu einer effizienten Anpassung des Agrar- und Ernährungssektors im Sinne des Klimaschutzes führen und dem Ziel der Versorgung mit Lebensmitteln, nachwachsenden Rohstoffen und Umweltgütern nicht zu wider laufen. Zur Entwicklung effizienter, nachhaltig wirkender Fördermaßnahmen besteht Forschungsbedarf.

Die Auswahl von Klimaschutzmaßnahmen im Agrar- und Ernährungsbereich sollte sich an den CO2(Kohlenstoffdioxid)-Vermeidungskosten unter Berücksichtigung multifunktionaler Effekte orientieren. Hierzu besteht in vielen Fällen noch Forschungsbedarf. Wichtige Handlungsfelder können aber auf Basis der verfügbaren Erkenntnisse bereits benannt werden.

Schutz von Dauergrünland vor Umbruch und Umwandlung in Ackerland

Derzeit findet in vielen Bundesländern ein verstärkter Grünlandumbruch statt. Dies liegt zum einen an der höheren ökonomischen Vorzüglichkeit einer ackerbaulichen Nutzung, zum anderen hat die letzte Agrarreform die Möglichkeit eröffnet, bisherige Grünlandflächen ohne Ausschluss von Direktzahlungen als Acker zu nutzen.

Die Ermittlung der gesamten CO2äq-Emissionen eines einzelnen landwirtschaftlichen Betriebes ist ein äußerst schwieriges Unterfangen, da viele sehr unterschiedliche Quellen und Senken identifiziert werden müssen. Bisher ist keine geeignete Methode praxisreif, um eine verlässliche Bilanz auf der betrieblichen Ebene aufstellen zu können. Daher wird es auf absehbare Zeit nicht möglich sein, die einzelnen Betriebe als Akteure in das EU-Emissionshandelssystem einzubinden (wie etwa energieintensive Industriebetriebe).

Bis 2005 galt für Flächen, die vor dem 31.12.1991 als Grünland genutzt wurden, ein Ausschluss von Direktzahlungen für Ackerkulturen. Der Abnahme des beihilfefähigen Dauergrünlands soll durch Landesverordnungen der betroffenen Bundesländer mit Genehmigungspflichten bei Dauergrünlandumbruch in Anwendung der geltenden Cross-Compliance-Regelung entgegengewirkt werden. Auch ein besserer Vollzug bestehender Beschränkungen des Grünlandumbruchs durch Naturschutz- und Wasserschutzgesetze kann zum Grünlandschutz beitragen. Langfristig wird es aber darauf ankommen, die ökonomische Vorzüglichkeit von Grünland im Vergleich zum Ackerfutterbau zu verbessern. Wird dieses Problem nicht gelöst, muss mit Förderprogrammen oder anderen ordnungsrechtlichen Instrumenten nach Lösungen gesucht werden.

Renaturierung und Vernässung von Niedermooren

Ein erster Schritt für den Schutz von Mooren ist eine konsequentere Grünlanderhaltung auf humusreichen Böden und Moorstandorten. Für den Ausbau erneuerbarer Energien aus Biomasse stellen die Vernässung von Niedermooren und Nutzung zur Bereitstellung von Festbrennstoffen eine sinnvolle Option dar. In einigen Bundesländern bestehen Moorschutzprogramme zur Renaturierung, die im Rahmen von Projekten oder Flurneuordnungen, als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen nach Naturschutzrecht, im öffentlichen Wald oder im Rahmen der forstlichen Förderung umgesetzt werden. Ein Ausbau solcher Programme unter Berücksichtigung multifunktionaler Effekte (Wasser-, Wald- und Naturschutz, Biomasseproduktion) sollte geprüft werden.

Aufforstung

Aufforstung ist ein Fördertatbestand der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes", der von der Mehrzahl der Bundesländer angeboten, von den Betrieben jedoch nur in relativ geringem Maße in Anspruch genommen wird. Erstaufforstungen bieten sich auch als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen nach Naturschutzrecht an und leisten einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz. Planungsrechtlich kann die Neuwaldbildung durch die Ausweisung von Aufforstungsflächen in der Landschafts-/ Flächennutzungsplanung unterstützt werden.

Maßnahmen in der landwirtschaftlichen Produktion

CH4(Methan)- und N2O(Distickstoffmonoxid)-Emissionen sind eng mit der Produktionstätigkeit verknüpft. Dabei gibt es durchaus große Unterschiede zwischen den einzelnen Betrieben. Bei Anwendung guter fachlicher Praxis sind Emissionsreduktionen zu erwarten. Durch gezielte Forschung und Beratung kann der biologisch-technische Fortschritt weiter entwickelt und der Produktion zur Verfügung gestellt werden.

Reduzierung von Methanemissionen aus der Wirtschaftsdüngerlagerung

CH4-Emissionen aus der Wirtschaftdüngerlagerung sollten durch verstärkte Kofermentierung in Biogasanlagen und Lagerung in gasdichten Gärrestlagern reduziert werden, gerade auch durch Erhöhung des Wirtschaftsdüngeranteils in bereits bestehenden Anlagen.

Dazu können Anreize oder Auflagen zur Nutzung von Wirtschaftsdünger als Koferment in Biogasanlagen sowie Förderung und/oder Auflagen zur gasdichten Lagerung der Gärreste beitragen.

Neue Biogasanlagen sollten in jedem Fall über ausreichende und gasdichte Gärrestlager verfügen.
Der Wirtschaftsdüngereinsatz in Biogasanlagen sollte zur Dokumentation der erzielten Klimaschutzwirkungen statistisch erfasst werden.

Reduzierung von Lachgasemissionen aus der Düngung

Gemäß der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung ist der derzeit noch vorhandene landwirtschaftliche N(Stickstoff)-Überschuss nach Gesamtbilanz (sektorale Hoftorbilanz) um 20 kg pro Hektar auf 80 kg pro Hektar bis zum Jahr 2010 zu senken. Diese Reduzierung würde mit einer Reduzierung der Lachgasemissionen um rund 3 Millionen Tonnen CO2äq pro Jahr einhergehen. Gemäß Düngeverordnung sind bis zum Jahr 2011 die einzelbetrieblichen Bilanzüberschüsse auf 60 kg pro Hektar zu senken (andere Berechnungsgrundlage). Damit trägt die Düngeverordnung bereits erheblich zur Verringerung der N-Bilanzüberschüsse in der Landwirtschaft bei.

Maßnahmen zur Steigerung der N-Ausnutzung in der Landwirtschaft tragen zur Reduzierung der N2O-Emissionen aus der Landwirtschaft bei. Konkret sollten Maßnahmen zur stärkeren Verbreitung N-reduzierter Fütterung und zur Steigerung der Ausnutzung von N-Düngern in der Landwirtschaft entwickelt und umgesetzt werden. Darüber hinaus sollten noch nährstoffeffizientere Pflanzen entwickelt und angebaut werden. In diesen Fällen sind relativ geringe CO2-Vermeidungskosten für die Betriebe zu erwarten. Mit der Umsetzung entsprechender Politiken wären jedoch relativ hohe Verwaltungs- und Beratungskosten verbunden.

Energieeinsparung

Steigende Energiepreise und die Besteuerung von Energieträgern führen zu Energieeinsparungen in den land- und forstwirtschaftlichen Unternehmen. Eine verstärkte Beratung bezüglich Energieeinsparungen, "Energie-Checks" für land- und forstwirtschaftliche Betriebe sowie Forschung und Entwicklung können zu einer Beschleunigung dieser Anpassungsprozesse beitragen. Hierzu gibt es inzwischen Förderangebote auch in der GAK (Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes").

Gemäß dem Integrierten Energie- und Klimaprogramm der Bundesregierung vom 05.12.2007 ist unter anderem vorgesehen, dass der Bund im Rahmen der Förderprogramme für Klimaschutz und Energieeffizienz ein Bundesprogramm "Energieeffizienz Landwirtschaft und Gartenbau" auflegt, das die nachhaltige Senkung des Verbrauchs an fossilen Heizstoffen zum Ziel hat. Im Mittelpunkt steht insbesondere der Gartenbau, da dort ein Drittel der von der Landwirtschaft benötigten Brennstoffenergie benötigt wird. Der Bund fördert mit rund 2,8 Millionen Euro Investitionsmitteln das Modellprojekt ZINEG (Zukunftsinitiative Null-Energie-Gewächshaus).

Forschung

Es besteht zum Teil erheblicher Forschungsbedarf für ein besseres Verständnis des Emissionsgeschehens. Quantitativer Schätzungen bedarf es insbesondere zu Emissionen aus Böden und für System-, Betriebs- und Produktvergleiche. Die Inventare, Ökobilanzen und Lebenszyklusanalysen sind für THG weiter zu entwickeln. Die Ressortforschung des BMELV (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) wurde 2008 unter stärkerer Berücksichtigung des Themas Klimaschutz neu strukturiert und in den BMELV-Forschungsplan 2008 wurde der Themenkomplex "Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel" nun als eines der 7 Hauptziele der Ressortforschung aufgenommen.

Die einzelnen Forschungsinstitute bearbeiten zum Thema Minderung folgende Hauptaufgaben:

  • Inventarisierung unerwünschter klimarelevanter und luftverschmutzender Emissionen aus der Land- und Ernährungswirtschaft einschließlich Untersuchungen zur flächendeckenden Erfassung gasförmiger Emissionen aus Böden und Bewuchs sowie deren Bewertung
  • Entwicklung bzw. Weiterentwicklung von Verfahren zur Senkung unerwünschter klimarelevanter Emissionen aus der Agrar- und Fischereiwirtschaft
  • Inventarisierung der Bindung von atmosphärischem Kohlenstoffdioxid in ober- und unterirdische Biomasse
  • Entwicklung bzw. Weiterentwicklung des Schutzes und des Ausbaus biogener Kohlenstoffspeicher
  • Weiterentwicklung nachwachsender Rohstoffe zur nachhaltigen und stärkeren Substitution fossiler Energieträger und fossiler/mineralischer Rohstoffe sowie Bewertung von technologischen, volkswirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Aspekten.

Hinzu kommen verstärkte Anstrengungen zur Ökobilanzierung von Produktionssystemen und Agrarprodukten sowie bei der Analyse des Landnutzungswandels:

  • Ermittlung, Bewertung und Folgenabschätzung der Wirkung unterschiedlicher Produktionssysteme der Land-, Gartenbau-, Forst-, Holz-, Fischerei- und Ernährungswirtschaft unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit, einschließlich Untersuchungen zur Ökobilanzierung
  • Untersuchungen zur Ökobilanzierung von Lebensmitteln und anderen Agrarprodukten
  • Analysen und Projektionen des Landnutzungswandels sowie zur Optimierung der Flächennutzung

Immer deutlicher wird der verstärkte Forschungsbedarf im Sektor Forstwirtschaft, um Minderungseffekte exakter steuern zu können. Er muss auch die Schnittstellen zur Holzwirtschaft erfassen.

Förderung der Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen und Bioenergie

Die Bundesregierung fördert die Nutzung nachwachsender Rohstoffe auf vielfältige Weise. Beispielhaft sind zu nennen:

  • Förderung von FuE(Forschung und Entwicklung)-Projekten zu Kaskadennutzung und Bioraffinerien (Projektanträge zu BMELV-Bekanntmachung sind in Bearbeitung)
  • Verbesserung der ordnungspolitischen Rahmenbedingungen bei der stofflichen Nutzung, um die Vorteile der stofflichen Nutzung bei der Klimagasreduzierung besser zu berücksichtigen
  • BMELV, BMBF (Bundesministerium für  Bildung und Forschung) und BMU (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit) haben eine gemeinsame Initiative für einen Bioraffinerie-Cluster Mitteldeutschland gestartet (Finanzierung ist noch offen).
  • Mit den Regelungen des Biokraftstoffquotengesetzes werden Inverkehrbringer von Kraftstoffen verpflichtet, einen steigenden Anteil Biokraftstoffe in Verkehr zu bringen. Darüber hinaus sind reine Biokraftstoffe außerhalb der Quote steuerbegünstigt.
  • Erzeugern von Strom aus regenerativen Quellen werden über das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) feste Einspeisevergütungen gewährt.
  • Über das Marktanreizprogramm fördert die Bundesregierung Investitionen in Anlagen zur Wärme- und Kälteerzeugung aus regenerativen Quelle.
  • Mit Mitteln des Förderprogramms Nachwachsende Rohstoffe des BMELV werden Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsvorhaben unterstützt.
  • Das Deutsche Biomasse-Forschungszentrum in Leipzig soll mit seiner Arbeit dazu beitragen, offene Fragen rund um die Biomassenutzung zu beantworten.
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